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Datum: 19.04.2018

Nachhaltigkeit: „Herausforderung für die Weltgesellschaft“

Welchen Einfluss hat Wissenschaft auf Politik? Welche Rolle spielt sie für die öffentliche Meinung? Kann man der Wissenschaft vertrauen? Diese Fragen standen im Zentrum der Auftaktveranstaltung zum zweiten Quartal des Jubiläumsjahrs der Universität Bonn. Wissenschaftler der Universität Bonn und externe Gäste diskutierten am Montagabend im gut besuchten ehemaligen Theatersaal der Universität über das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen mit Hilfe der Forschung und wissenschaftlicher Erkenntnisse. Nachhaltigkeit ist das übergeordnete Thema des Jubiläumsprogramms der Universität Bonn für die Monate April, Mai und Juni.

Müllkippen soweit das Auge reicht. Im Hintergrund rauchen Schlote. Schnitt. Die Kamera schwenkt über Hütten und zeltartige Unterstände – ausgedehnte Slums zu Füssen einer Megacity mit Wolkenkratzern und verglasten Türmen. Im Einstimmungsfilm zur Diskussion kommt Prof. Dr. Joachim von Braun vom Zentrum für Entwicklungsforschung zu Wort: „Wir dürfen das Thema Nachhaltigkeit nicht nur durch die deutsche Brille sehen“, sagt er. Die Wohlfahrtssteigerung der weniger entwickelten Länder sei ein legitimes Anliegen. Der Kampf gegen die Armut gehöre ebenso zur Nachhaltigkeit wie Umweltschutz. Ökonomische und soziale Fragen müssten ebenso beantwortet werden wie die Probleme, die der Klimawandel verursache.

Auch Prof. Dr. Karin Holm-Müller, Prorektorin für Studium und Lehre, unterstrich bei ihrer thematischen Einführung die Bandbreite der 17 Nachhaltigkeitsziele, der „Sustainable Development Goals“, auf die sich die Staatengemeinschaft im Rahmen der Vereinten Nationen (UN) 2015 geeinigt hat. Bei der Verwirklichung aller Nachhaltigkeitsziele handle es sich letztlich um eine „Herausforderung für die Weltgesellschaft“, sagte Holm-Müller. Das Erreichen dieser Ziele liege im Interesse aller Länder und aller Altersgruppen.

 

Das Erreichen dieser Ziele liege im Interesse aller Länder und aller Altersgruppen.

Gute Stichworte für die Journalistin Janine Steeger, die die Moderation der Diskussion übernahm. Ist es überhaupt noch möglich, alle Bevölkerungsschichten mit den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu erreichen? Das wollte die Moderatorin von den Diskutanten wissen. Xavier Longan, Vertreter der „Sustainable Development Goal Action Campaign“ der Vereinten Nationen mit Sitz in Bonn, zeigte sich zuversichtlich: „Wir bekommen das Interesse und Engagement der Leute, wenn wir die Geschichten erzählen, die sich hinter den Zielen verbergen. Das sind zum Beispiel Geschichten von Menschen, die bereits von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind und die sich deshalb in ihrem direkten Umfeld für konkreten Umweltschutz einsetzen“, berichtete Longan. Wissenschaftliche Ergebnisse würden dann zu praktischen Konsequenzen führen. Um einen gesellschaftlichen Konsens für Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu erreichen, müsse die Wissenschaft ihre Kenntnisse möglichst allgemeinverständlich erklären, betonte Thomas Graner, Zentral- und Fachbereichsleiter beim Bundesamt für Naturschutz. Mit lebensnahen Beispielen, etwa dem Hinweis auf das Insektensterben, ließe sich auch bei politischen Entscheidungsträgern mehr erreichen.  

Die Wechselwirkungen zwischen Forschungsergebnissen, öffentlicher Meinung und politischem Handeln beschäftigten auch die Diskutanten aus dem Publikum, die sich zahlreich und kundig zu Wort meldeten. Das Thema „Fake News“ und Misstrauen gegenüber der Wissenschaft sprach Moderatorin Steeger an. Prof. Dr. Maximilian Weigend vom Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen, gab zu, dass es für Außenstehende nicht immer leicht zu erkennen sei, ob Wissenschaft unabhängig und nur der Wahrheit verpflichtet agiere. Hilfreich sei da die Frage nach der Finanzierung: „Das ist immer ein starker Hinweis, ob und welche spezifischen Interessen hinter einer Forschung stehen.“ Prof. von Braun wünschte sich für das Verhältnis von Politik und Wissenschaft gegenseitigen Respekt und leitete daraus eine die Diskussion zusammenfassende Forderung ab: „Die unabhängige Wissenschaft muss unbedingt gestärkt werden.“

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