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Datum: 06.02.2018

Es geht nur miteinander: Podiumsdiskussion zur Lehrerbildung

Digitalisierung, Lehrermangel, zu viele Schüler in einer Klasse: Auf die Lehrkräfte deutscher Schulen kommt einiges zu. Zumindest darin waren sich die anwesenden Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Schulpraxis am Montag einig. Anlässlich dieser wachsenden Herausforderungen widmeten sie sich im Rahmen des 200jährigen Bestehens der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn der zentralen Frage: „Was brauchen gute Lehrerinnen und Lehrer“?

Bei der Podiumsdiskussion am Montagabend im gut gefüllten Hörsaal I des Universität Hauptgebäudes ging es um nicht weniger als die Frage, wie eine gute Lehrerausbildung in Zukunft aussehen soll. Dazu diskutierten Mathias Richter, Staatssekretär im Ministerium für Schule und Bildung NRW, Bonns ehemaliger Oberbürgermeister und langjähriger Schulleiter Jürgen Nimptsch, Referendar Lasse Brauner sowie die beiden Fachdidaktiker Prof. Dr. Annette Scheersoi (Biologie) und Prof. Dr. Peter Geiss (Geschichte) miteinander.

Ein zentrales Problem konnte schnell ausgemacht werden und wurde von den Anwesenden kontrovers diskutiert: Es gibt zu viel Stoff für zu wenig Semester. Referendar Lasse Brauner wünscht sich für die Ausbildung der Lehramtsstudierenden insgesamt eine stärkere Ausrichtung an den Lehrplänen der Schulen: „Wenn ich die Zeit an der Universität Bonn Revue passieren lasse, hätte ich mir mehr Unterstützung für den schulpraktischen Alltag gewünscht.“ Auch der langjährige Schulleiter Jürgen Nimptsch sieht hier Handlungsbedarf: „Sie unterrichten keine Fächer, sie unterrichten in erster Linie Kinder. Und die sind alle unterschiedlich.“ Für ihn müsse der Umgang mit dieser Vielfalt stärker in der Lehrerausbildung fokussiert werden.

Referendariat zu kurz?

Sollten auf dem Stundenplan der Lehramtsstudierenden also weniger fachdidaktische Vertiefungsmodule und mehr Fächer für pädagogisches Rüstzeug stehen? Prof. Dr. Annette Scheersoi warnt davor, fachliche Kompetenzvermittlung zu beschneiden: „Gerade um den Schülern mit ihren unterschiedlichen Motivationen und Interessen gerecht werden zu können, muss ich doch wissen, was mein Fach mir bietet!“ Sie sieht das Problem viel mehr darin, dass die Zeit des Referendariats mit eineinhalb Jahren insgesamt zu kurz sei, um sich die nötigen fachdidaktischen wie pädagogischen Kompetenzen anzueignen. Gerade im Hinblick auf die Herausforderung der Inklusion müsse zudem mehr Geld in die Hand genommen werden, um vor allem junge Lehrer in den Klassenräumen zu unterstützen, so die Biologie-Professorin.

Inklusion, wie auch den Fachkräftemangel an den Schulen, sieht auch Staatssekretär Mathias Richter als vordringliche Aufgabe seiner Regierung und verspricht, man mache seine Hausaufgaben: Eine Bestandsaufnahme sei bereits vorgenommen, im März liege eine Prognose zum Lehrerbedarf in Nordrhein-Westfalen vor, dann werde die Landesregierung ihre Möglichkeiten hinsichtlich personeller und finanzieller Ressourcen bestmöglich ausschöpfen.

Steigende Anforderungen an junge Lehrkräfte

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum berichteten zudem Lehrerinnen und Lehrer von ihrem beruflichen Alltag in den Schulen. Auch hier wurde deutlich: Die Anforderungen gerade für junge Lehrer steigen auf gesellschaftspolitischer Ebene. In diesem Zuge appellierte auch Prof. Dr. Geiss „den Lehrkräften zuzuhören und nicht nur immer weiter draufzusatteln.“ Die Verantwortlichen für Fachliches und Pädagogisches dürften sich nicht gegeneinander ausspielen, denn letztlich funktioniere gute Lehrerausbildung nur miteinander.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion bot ein Posterwalk in der Säulenhalle Einblicke in aktuelle Forschungsvorhaben Studierender und Promovierender der Bonner Lehrerbildung.
 

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